201603.14
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Die nächste Mittelstandsanleihe läßt Anleger mit hohen Verlusten zurück

Insolvenz von German Pellets: Der nächste Betrieb, der sich mit alternativen Energie beschäftigt, geht in die Insolvenz. Auch German Pellets, ein Wismarer Holzverarbeiter, hat Insolvenzantrag gestellt und reißt 17.000 deutsche Anleger mit einem Anlagebetrag von 270 Mio. Euro in die Pleite. Einst hat das Unternehmen mitgeteilt, es würde den Brennstoff der Zukunft liefern, womit man umweltfreundlich Stromkosten sparen könne. Man bilde eine Modernisierungsoffensive im Heizungskeller. Es wurden Anleihen und Genussscheine an Anleger vergeben. Am Montag, den 29.02.2016 hat die vorläufige Insolvenzverwalterin mit der Registrierung der Gläubiger begonnen. Tausende Inhaber von Anleihen, Genussscheinen und Genussrechten können sich auf einer speziellen Internet-Seite anmelden. Insolvenzverwalterin ist Frau Bettina Schmudde.

Die momentanen Zahlen lassen die Hoffnungen für die Anleger jedoch sinken. Bei den Gläubigern ist German Pellets mit wohl mindestens 443 Mio. EUR verschuldet. Der Pleitier Peter Leibold, der den Anlegern gerade mal 5.000,00 Euro hinterlassen hat, fiel zuletzt durch eine erkleckliche Anzahl von Privatflügen auf. Mit seinem Privatflieger vom Typ „Beech B200 Super King Air“ kam er nach einer Veröffentlichung des Handelsblatts vom Montag, den 29.02.2016 alleine Ende Februar auf Flugstunden nach Maastricht, Wien und Mailand, die einen Gegenwert von 25.400,00 Euro haben. Auch ein Jahresgehalt von 650.000,00 Euro spricht nicht für übertriebene Sparsamkeit. Die Art der Unternehmensführung lässt aber auf Schadensersatzansprüche der Anleger gegen die handelnden Personen hoffen.

Indes hat sich German Pellets auch sehenden Auges in die Misere geritten. Die Erlöse aus der Pellet-Produktion sanken von 2012 bis 2014 um mehr als 11 %. Während dessen nahm der German Pellets-Chef Peter Leibold jedoch für Unternehmenskäufe weitere Darlehen auf und emittierte noch im Jahr 2014 eine weitere Anleihe mit einem Emissionsvolumen von 100 Mio. Euro. Es verdichten sich die Anzeichen, dass das Unternehmen gar nicht mehr produziert hat und bereits zu einem früheren Zeitpunkt insolvenzreif war. Auch besteht der Verdacht, dass Anlegergelder nicht dem Unternehmenszweck gedient haben.

Die spannendste Frage, was für die Anleger nun übrig bleiben wird, ist schwer zu beantworten. In den bisherigen Insolvenzfällen bei Mittelstandsanleihen, die auch in großer Anzahl auf Unternehmen entfallen, die zum Geschäftszweck die nachhaltige Energiegewinnung haben, sind die Insolvenzquoten sehr unterschiedlich. Die Anleger sollten jetzt dringend ihre Rechte geltend machen, um nicht leer auszugehen.