201203.25
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Interview: Daniela Bergdolt über den problematischen Umtausch griechischer Staatsanleihen

„Privatanleger sind nicht die Zahlmeister der Nation“

Interview mit Daniela Bergdolt. Die prominente Rechtsanwältin und Landesgeschäftsführerin der Anlegerschutzorganisation DSW in Bayern, erklärt, warum der „freiwillige“ Umtausch der griechischen Staatsanleihen für Privatanleger ein Sündenfall ist.

Frau Bergdolt, der Anleihetausch der griechischen Staatspapiere ist gelaufen. Private Gläubiger verzichten auf über 100 Milliarden Euro. Politisch wird die Umschuldung als Erfolg gewertet und als „Anfang vom Ende der Krise“. Sehen Sie als Interessenvertreterin der Privatanleger das auch so?

Daniela Bergdolt: Aus Sicht der Politiker mag das zutreffen, aber für Privatanleger war diese Umschuldung ein glatter Reinfall. Sie waren während der gesamten Verhandlungen außen vor, sollen nun aber „freiwillig“ auf über die Hälfte ihrer Forderungen verzichten. Man hat die Privatanleger behandelt wie unmündige Kinder! Und jetzt zeigt sich zu allem Überfluss, dass die geschädigten Anleger neue Anleihen bekommen haben, die absolute Ladenhüter sind und eine Reihe neuer Probleme verursachen. Darüber hinaus ist damit das Vertrauen des Privatanlegers in die Bonität von Staatsanleihen und die Seriosität der Anleiheemittenten unwiederbringlich erschüttert.

Wie meinen Sie das?

Bergdolt: Der Umtausch erfolgte im Verhältnis 1:24. Das heißt, dass jeder Anleger für eine Anleihe im Nennwert von 1000 Euro insgesamt 24 neue Papiere im Gesamtwert von 31,5 Prozent des Ursprungsbetrags bekommen hat. Jedes davon hat eine eigene Laufzeit und eine eigene Verzinsung. Bei einer solchen Flut den Überblick zu behalten, ist nahezu unmöglich. Noch schlimmer ist allerdings, dass die Papiere quasi unverkäuflich sind. Jedes Mal, wenn ein Anleger eine Anleihe verkaufen will, werden Gebühren fällig, die den eigentlichen Wert fast vollständig auffressen. Und zu allem Überfluss gab es sogar Banken, die für Umtausch und Einbuchung der neuen Anleihen horrende Gebühren verlangt haben.

Wie können sich Anleger dagegen wehren?

Bergdolt: Die DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz) hat als große deutsche Investorenvereinigung aus verschiedenen Gründen davon abgeraten, das Umtauschangebot anzunehmen. Durch einen Parlamentsbeschluss in Griechenland wurden jedoch alle Anleihen zwangsumgetauscht. Nun geht es darum zu prüfen, ob das überhaupt zulässig war und ob man dagegen juristisch vorgehen kann. Da es sich aber um griechisches Recht handelt, wird es nicht leicht sein, die Sachlage von hier aus zu prüfen.

Wie sinnvoll ist es, die Banken aufgrund fehlerhafter Anlageberatung in Sachen Griechenland-Anleihen haftbar zu machen?

Bergdolt: Grundsätzlich sollte jeder Anleger überprüfen, wann er die Anleihen erworben, und was ihm der Bankberater damals an schriftlichen oder mündlichen Informationen mit an die Hand gegeben hat. Wer nicht ausreichend über die Risiken der Papiere aufgeklärt wurde, hat reelle Chancen, auf Schadensersatz wegen Falschberatung zu klagen. Nur: Hier ist das individuelle Vorwissen in Sachen Geldanlage und auch das Kaufdatum ganz entscheidend. Daher sollte man dies in jedem Fall von einem kompetenten rechtlichen Beistand überprüfen lassen.

Welche Konsequenzen fordern Sie als erfahrene Kapitalmarktjuristin und Anlegerschützerin aus dem Fall der Griechenland-Anleihen?

Bergdolt: Es gibt zwei Kernpunkte. Erstens kann es nicht sein, dass über das Ersparte von vielen tausend Privatanlegern gesprochen und entschieden wird, ohne dass diese mit am Verhandlungstisch sitzen. Es muss also immer – egal ob der Fall Griechenland heißt, oder anders – ein direkter Vertreter der Privatanleger bei den Verhandlungen dabei sein, um deren Interessen zu schützen. Und zweitens: Im konkreten Fall muss man als Konsequenz eine Sonderregelung für private Sparer fordern. Denn so, wie es bisher gelaufen ist, kann es nicht bleiben. Privatanleger sind schließlich nicht die Zahlmeister der Nation!