201309.27
Off
0

Offene Immobilienfonds: Die Zeit für Klagen wegen Falschberatung wird knapp

Für viele Anleger, die noch Anteile Offener Immobilienfonds im Depot haben, die sich in Abwicklung befinden, tickt die Verjährungsuhr bis Ende des Jahres herunter. „Wer wegen fehlerhafter Beratung gegen die beteiligten Banken und Finanzdienstleister aktiv werden will, der sollte dies bis Ende des Jahres tun“, sagt Elke Schubert, Kapitalanlagerechtlerin und Partnerin der Kanzlei Bergdolt und Schubert in München. „Die Verjährungsfrist beginnt ab Kenntnis der Falschberatung. Diese kann mit Schließung der entsprechenden Fonds im Mai 2010 erfolgt sein. Das bedeutet zugleich, dass die Frist Ende 2013 abläuft“, so die Rechtsanwältin weiter.

Die Pflichtverletzung sieht die Anwältin darin, dass die Banken ihren Kunden nicht aktiv eine Umschichtung empfohlen haben, als die Immobilienkrise immer weiter fortschritt. Erste Anzeichen der Krise habe es bereits im Jahre 2008 gegeben. „Die beratenden Banken traf spätestens dann die Pflicht, die Entwicklung zu überwachen“, ist Schubert überzeugt. Doch statt zu empfehlen, sich von Anteilen Offener Immobilienfonds zu trennen, wurde diese Assetklasse sogar weiterhin als „mündelsicher“ und mit AA-Rating ausgestattet an Anleger verkauft.

Dabei war zu dieser Zeit längst absehbar, dass die Offenen Immobilienfonds einen Konstruktionsfehler haben: Großinvestoren konnten täglich ihr Geld abziehen und die Fonds somit schlagartig ins Trudeln bringen. Das Finanzministerium (BMF) reagierte bereits im März 2010 und veröffentlichte den Diskussionsentwurf für ein Gesetz „zur Stärkung des Anlegerschutzes und Verbesserung der Funktionsfähigkeit des Kapitalmarktes“, in dem auch neue Regeln für Offene Immobilien angedacht wurden. Der Vorschlag des BMF bewirkte aber genau das Gegenteil dessen, was erreicht werden sollte, nämlich die Wiederherstellung des Anlegervertrauens. Anfang Mai 2010 zogen die Großanleger rund 1,4 Milliarden Euro aus den Fonds ab. Viele Anbieter entschieden, keine Fonds-Anteile mehr zurückzunehmen. Konsequenz: Die Anleger saßen in den Fonds fest.

Damit nicht genug: Noch im Mai 2010 wurden in großem Stil Offene Immobilienfondsanteile an Privatanleger verkauft, obwohl bekannt war, dass es zu Schließungen kommen musste. Im Mai 2012 sind 13 Offene Immobilienfonds in die Liquidation gegangen. Die Kapitalanlagegesellschaften von acht der 13 Immobilienfonds hatten Ende Februar 2012 die Verwaltung der jeweiligen Fonds gekündigt, da eine Wiederaufnahme der Anteilsrücknahme mangels ausreichender Liquidität nicht gelang.

Die Kanzlei Bergdolt und Schubert sieht darin stichhaltige Ansatzpunkte für einen gravierenden Verstoß vieler Banken gegen ihre Beratungspflichten. Sie betreut bereits eine große Anzahl geschädigter Anteilseigner Offener Immobilienfonds und rät allen Betroffenen, nun zügig zu prüfen, ob Ansprüche bestehen.

Ansprechpartner für die Presse:
Kanzlei Bergdolt und Schubert
Tel: 089 / 38 66 54 30
presse@ra-bergdolt.de