201403.27
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Kampf gegen schlechte Bankberatung

Zusammen mit der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wird beständig der Kampf für mehr Anlegerschutz gefochten. In mehreren Zeitungen erscheint heute die Stellungnahme des DSW zu besserer Bankberatung:
Frankfurter Rundschau vom 27.03.2014
Gut gemeint, schlecht gelaufen
Gesetze zum Schutz von Bankkunden schlagen fehl
Von Nina Luttmer
Es war so gut gemeint – und hat den
Verbrauchern doch offenbar nichts
Gutes gebracht: In der vergangenen
Legislaturperiode wollte die damalige
Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner
(CSU) Bankkunden durch mehrere
Maßnahmen besser schützen. So müssen
die Geldhäuser ihre Kunden auf Produktinformationsblättern
(PIB) über
Chancen und Risiken eines jeden angebotenen
Finanzprodukts aufklären. Nach
jeder Anlageberatung müssen sie zudem
ein Beratungsprotokoll anfertigen, um
Falschberatung zu vermeiden.
Doch nicht nur die Banken stöhnen über
den Papierwust. Auch Verbraucher- und
Anlegerschützer klagen. “Der aktuelle
Weg ist der falsche”, sagte Marc Tüngler,
Hauptgeschäftsführer der Deutschen
Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz
(DSW) am Mittwoch.
So dürften Berater ihren Kunden nur zu
den Produkten überhaupt Auskunft
geben, zu denen ihre Bank ein PIB
erstellt hat. Auf diese Weise würden die
Rechtsabteilungen und das Produktmanagement
der Institute das Anlageuniversum
für die Kunden nach eigenem
Belieben begrenzen. So gebe es beispielsweise
keine PIBs zu Aktien der
Dax-Unternehmen, sagte auch Roland
Klose, Professor an der privaten Hochschule
FOM: “Stattdessen komplimentieren
die Banken ihre Kunden in Fonds
oder Zertifikate, die für sie höhere Provisionen
abwerfen.”
Die DSW fordert daher, dass Banken
von Gesetz wegen eine Mindestanzahl
von PIBs pro Anlageklasse vorhalten
müssen, um breiter beraten zu können.
Zudem plädiert sie für ein zentrales
Register für PIBs, so dass Kunden sich
online über alle Finanzprodukte selbst
informieren können und nicht auf die
Auswahl ihrer Bankberater angewiesen
sind.
Die Beratungsprotokolle, die Banken
Kunden aushändigen müssen, hält die
DSW für kontraproduktiv. Statt den
Kunden zu schützen, würden sich die
Banken damit rechtlich absichern. Kunden
sollten daher auf die Protokolle verzichten
dürfen.
Die DSW monierte die mangelnde Aktienkultur
in Deutschland. Nach Zahlen
des Deutschen Aktieninstituts sind nur
8,9 Millionen Deutsche in Aktien oder
Aktienfonds investiert. Schuld daran sei
auch die Politik. Allzu oft würden
Aktionäre mit Spekulanten gleichgesetzt,
so Tüngler. Dabei sei ein realer
Vermögensaufbau bei den niedrigen
Zinsen ohne Aktien kaum möglich. Statt
dessen parkten die Deutschen ihr Geld
oft auf dem Konto: “Dieser Hang zur
vermeintlichen Sicherheit führt dazu,
dass die Anleger nach unseren Berechnungen
jedes Jahr etwa 20 Milliarden
Euro Wertverlust erleiden.”