201405.05
Off
0

IVG-Aktionäre wehren sich gegen Totalverlust

Die IVG Immobilien AG zählte nach eigener Pressemitteilung zu den großen Immobilien- und Infrastrukturgesellschaften in Europa. Das Unternehmen verwaltet an 18 Standorten Assets in Höhe von 21,1 Mrd. Euro. Wie Sie wissen, hat die IVG Immobilien AG am 20.08.2013 beim Amtsgericht Bonn – Insolvenzgericht – Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über ihr Vermögen gestellt.

Viele Aktionäre der IVG haben sich an unsere Kanzlei gewandt, da sie sich durch die Insolvenz und dem nun vorgelegten Insolvenzplan Ihrer Rechte beraubt sehen. Daher möchten wir Sie dringend über weitere Rechtsbehelfe und deren Fristen informieren.

Schadensersatz wegen falscher AD-HOC-MITTEILUNGEN

In mehreren Ad-hoc Mitteilungen im vergangenen Jahr wurden Zahlen, bzw. der Zustand des in Insolvenz befindlichen Unternehmens zu positiv dargestellt. Dies führt zu Schadensersatzansprüchen der Aktionäre, die unserer Ansicht nach bis spätestens 30.05.2014 geltend gemacht werden sollten.

Wir sehen Parallelen zu dem in München verhandelten Verfahren wegen Schadensersatzansprüchen von Aktionären der Hypo Real Estate und gehen davon aus, dass auch die Ad-hoc-Mitteilungen der IVG vom 27.03.2013 bzw. vom 28.05.2013 viel zu positiv waren und das wahre Ausmaß der Krise verschleierten. Kenntnis von der wahren Situation des Unternehmens konnte man somit erst mit der Ad-hoc-Mitteilung vom 31.05.2013 erlangen, als erstmals von einem Refinanzierungsplan die Rede war.

Im HRE-Verfahren stellte der Vorsitzende Richter vom OLG München Guido Kotschy sofort zu Beginn der Verhandlung fest, dass die Bank ihre Lage viel zu positiv dargestellt hatte. Die Belastungen durch die Immobilienkrise in den USA wurden unzureichend dargestellt. In diesem Fall ging sogar nicht einmal um eine Ad-hoc-Mitteilung, sondern „nur“ um eine Pressemitteilung der Bank vom August 2007. Die Aufdeckung der tatsächlichen Verhältnisse im Januar 2008 hat das Gericht als verspätet angesehen.

Falls Sie tätig werden wollen, müsste dies aufgrund der einjährigen Verjährungsfrist aus §§ 37 b und c WpHG bis spätestens zum 30.05.2014 erfolgen. Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Angreifen des Insolvenzplans

Im Rahmen des Insolvenzplanverfahrens der IVG Immobilien AG wurde der vom Vorstand erstellte und vorgelegte Insolvenzplan beim Abstimmungstermin am 21.03.2014 angenommen. Die Gläubiger stimmten dem Plan mit 99,47 Prozent zu, die Aktionäre mit 56,93 Prozent der Stimmen. Jetzt benötigt der Insolvenzplan noch die Billigung durch das Insolvenzgericht. Aufgrund der Zustimmung beim Abstimmungstermin ist eine Bestätigung durch das Insolvenzgericht zu befürchten. Der Entscheidungsverkündungstermin wurde auf dem 17.05.2014 gesetzt. Gegen diese Bestätigung kann binnen 2 Wochen sofortige Beschwerde eingelegt werden. Es ist beabsichtigt, im Zuge der Durchführung der beabsichtigten Kapitalmaßnahmen, das Grundkapital der IVG auf Null herabzusetzen und anschließend im Wege einer Barkapitalerhöhung zu erhöhen. Die Altaktionäre haben kein Recht an der Kapitalerhöhung teil zu nehmen. Deren Bezugsrecht wird ausgeschlossen. Dies hat zur Folge, dass mit Durchführung des Insolvenzplanes Altaktionäre sämtliche Rechte als Aktionäre verlieren. Sie verlieren Ihr gesamtes eingesetztes Investment.

Nach rechtlicher Prüfung erscheint der Insolvenzplan in mehrfacher Hinsicht rechtswidrig und wir sehen konkrete Erfolgsaussichten für diesbezügliche Rechtsmittel. Da das Bezugsrecht der Altaktionäre ausgeschlossen wurde, kommt die Billigung des Insolvenzplans einer Enteignung der Aktionäre gleich, die weder aktienrechtlich noch grundgesetzlich vereinbar ist.

Möchten betroffene Aktionäre gegen die zu erwartende Bestätigung des Insolvenzplans vorgehen, sollten aufgrund der kurzen Frist bereits jetzt notwendige Vorbereitungen getroffen werden.

Sie haben die Möglichkeit sich gegen diese Enteignung mit der sofortigen Beschwerde zu wehren innerhalb von zwei Wochen nach Bestätigung des Insolvenzplanes durch das Insolvenzgericht. Die Frist beginnt mit Verkündung und Zustellung beziehungsweise Bekanntgabe des planbestätigenden Beschlusses. Der Insolvenzplan soll zum 17. Mai 2014 bestätigt werden.

 Wir sind der Ansicht, dass die durch den Insolvenzplan quasi enteigneten Aktionäre Beschwerde gegen die Feststellung des Planes erheben sollten. Wir gehen davon aus, dass der Ausschluss des Bezugsrechts eine kalte Enteignung ist, die mit den gesetzlichen Regelungen nicht vereinbar ist.

Es bleibt also nicht viel Zeit, um sich zu wehren. Bitte nehmen Sie deshalb mit uns Kontakt auf.