201408.27
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Mittelstandsanleihen für Privatanleger?

Seit der Finanzkrise 2008 haben einige Anlageformen für Privatanleger große Schwierigkeiten, allen voran geschlossene Beteiligungen. Noch bis Ende der 2000er Jahre wurden im großen Stil geschlossene gesellschaftliche Beteiligungen an Schifffonds, Medienfonds, Immobilienfonds an Privatanleger als geeignete Anlageformen vermittelt. Erst viel zu spät war durchgedrungen, dass dies keine gute Idee und somit auch keine gute Empfehlung sein kann. Seit einigen Jahren boomen nunmehr Mittelstandsanleihen als neuer „Stein der Weisen“ als Anlageform für Privatanleger. Das Marktvolumen liegt hier im Milliardenbereich. Doch auch hier wachsen mittlerweile berechtigte Zweifel. Nach einer überraschend hohen Zahl am Ausfällen sank das Emissionsvolumen im April 2014 mit 140 Mio. Euro um mehr als 110 Mio. Euro unter dem im April 2013 verzeichneten Emissionsvolumen. Mittlerweile haben die Anleger gelernt: Von wegen solide und sichere Anlageform!

Das Gegenteil ist richtig: Mittelstandsanleihen sind hoch riskant und Privatanlegern eigentlich nicht zu empfehlen. Und die Misere bleibt bei Weitem nicht auf Solar- und Windfirmen beschränkt, wo das Unglück seinen Anfang genommen hat. Auch abseits von erneuerbaren Energien kreiste der Pleitegeier, so z.B. bei der Modefirma „Strenesse“.

Mittelstandsanleihen sind eine vergleichsweise neue Form der Refinanzierung mittelständischer Unternehmen über den Kapitalmarkt. Hierbei holt sich das Unternehmen am Kapitalmarkt frisches Geld von Anleihegläubigern, das sie in der Regel als Bankkredit nicht bekommen. Die Anleihe hat eine feste Laufzeit von meist 5 Jahren und wird mit einem festen Zinssatz an den Anleihegläubiger verzinst. Teilweise versprachen Ökofirmen jenen Anlegern, die ihnen Geld leihen und eine Anleihe kaufen, Zinskupons von teilweise mehr als 11%.

Die Mittelstandsanleihen werden zwar mit Ratings ausgestattet, die teilweise eine relative Sicherheit garantieren, dem Anleger muss allerdings klar sein, dass er auf Gedeih und Verderb an den Geschicken des Unternehmens hängt und eine Pleite sein Investment ebenso betrifft. Dies gilt momentan aktuell für 1,4 Mrd. Euro bei Prokon.

Bei einem gesamten Platzierungsvolumen aller 145 börsen-gelisteten Mittelstandsanleihen (von 127 Emittenten) in Höhe von 5,6 Mrd. Euro herrscht momentan eine Default-Quote von 11,6%. Nach den Feststellungen der Firma Scope Ratings GmbH, Berlin ist fast jeder achte in Mittelstandsanleihen investierte Euro von einem Default-Szenario betroffen. In Anbetracht der kurzen Periode ist dies eine vergleichsweise hohe Quote. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass drei Viertel der betroffenen Anleihen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien stammen. Klammert man Unternehmen aus dem Erneuerbare-Energien-Sektor aus, so ergibt sich bisher (Stand 15. November 2013) eine Ausfallrate von 2,6% in Bezug auf das platzierte Anleihevolumen (bei 5 von 118 Anleihen).

Hier ist also Vorsicht geboten.

Elke Schubert, Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht